Berliner Frösche sind Leidtragende unterfinanzierter Grünflächenämter!

16. Juni 2022 | Grundwasser, Wasser, Stadtnatur, Stadtentwicklung

Info 10/ Berlin, 16. Juni 2022: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin) hat den Zustand der Berliner Kleingewässer untersucht und die Ergebnisse in seinem zweiten Kleingewässerreport 21/22 veröffentlicht. Fast die Hälfte der in sechs Bezirken untersuchten 353 Kleingewässer ist in einem schlechten Zustand. In Folge von Trockenheit und unterlassener Pflege enthalten viele Gewässer kein Wasser mehr, wachsen zu und verlanden.

Diese Faktoren werden auch in der Roten Liste der Amphibien in Berlin als Gründe für das Aussterben von Fröschen, Kröten, Unken und Molchen gelistet. Seit der Gebietsreform 2001 sind anstelle des Landes die Bezirke für einen großen Teil der Gewässer verantwortlich. Eine fachgerechte Finanzierung für den Unterhalt fehlt jedoch bis heute. So sind im Durchschnitt bei 43,3 % der Gewässer in ihrem Zuständigkeitsbereich Wassermangel und ein Zugewachsen mit Röhricht zu beobachten.

„Ein erster Schritt wäre der erfolgreiche Abschluss der sogenannten „Zielvereinbarung Grünpflege“, die nach dem Vorbild der Vereinbarung für Straßenbäume sicherstellt, dass das Geld im Bezirk auch wirklich beim Grün ankommt“, so Norbert Prauser vom BUND Berlin. „Außerdem müssen Gewässer in eine höhere Pflegestufe eingruppiert werden, wodurch für ihren Unterhalt auch automatisch mehr Geld zur Verfügung stünde.“

Der BUND Berlin hält außerdem eine systematische Erfassung und Überwachung aller Kleingewässer für dringend notwendig - ebenso die Aufstellung eines Notprogramms zur Sicherung der Amphibienbestände in Berlin, das auch die Kleingewässer in privater Hand berücksichtigt. Längst müssten Kleingewässer in die Anwendung der Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) aufgenommen werden. Diese gibt vor, dass alle Gewässer bis spätestens 2027 einen guten ökologischen, chemischen und mengenmäßigen Zustand erreichen müssen.

Angesichts fortschreitender Klimaveränderungen ist es „5 vor 12“ für Frosch & Co. in Berlin. Es ist höchste Zeit, die Bezirke in die Lage zu versetzen, ihre Verantwortung wahrzunehmen!

BUND-Kleingewässerreport 21/22: www.bund-berlin.de/service/publikationen/detail/publication/bund-kleingewaesserreport-berlin-21-22

Für Rückfragen:
Nobert Prauser                   fon: (030) 78 79 00-56

BUND-Pressestelle,           fon: (030) 78 79 00-12
Carmen Schultze                mobil: 0179-593 59 12
 

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